Ökumenische Taizé- Gruppe im Ambachtal
2007:

Bibelarbeit vom 20.11.2007 Thema Schöpfung

Am 20.11.07 haben wir eine Bibelarbeit zum Thema Schöpfung gemacht. Dazu lagen uns 3 Texte vor:

-         Gen. 1, 1-31

-         Röm. 6, 1-11

-         Off. 21, 1-5

Zuerst hat sich jeder einzeln Gedanken gemacht, was er/sie unter Schöpfung versteht.

Für die einen ist Schöpfung ein bewusster, aktiver Vorgang, der etwas mit Kreativität zu tun hat; Schöpfung als Gegenteil von Zerstörung und sie existiert nur um ihrer selbst Willen. Für andere ist Schöpfung die Entstehung eines neuen Lebens oder aus etwas altem entsteht etwas neues.

Manche erleben Schöpfung auch im Alltag, indem eine neue Realität beginnt, d.h. sich der „Ist-Zustand“ verändert; selbst andere Menschen durch Erfahrungen mit Gott in ihrer Existenz zu beeinflussen.

Einige stellen auch durch die Natur und durch das Wahrnehmen fröhlicher Kinder einen sehr schnellen Bezug zu Schöpfung her.

In Kleingruppen wurde dann jeweils ein Text besprochen. Folgende interessante Erkenntnisse wurden dabei gewonnen:

Zu Gen.:

Gleich zu Anfang wurde die Frage aufgetan, wer mit „wir“ gemeint ist. Besteht hier ein Bezug zur Dreieinigkeit? Wenn ja, dann würde Jesus aber im Text fehlen. Ist zwischen Genesis und Jesus eine Verbindung herzustellen, die die Dreieinigkeit impliziert? Diese Frage wurde vorrangig aus Zeitgründen offen gelassen. Auch der Begriff des „Abbildes“ sorgte für Diskussionsstoff sowie die Wörter „herrschen“ und „unterwerfen“. Obwohl die Begriffe im Sinne von sorgen/sich kümmern gemeint sind, wird hier ein Hierarchiedenken, eine Herrschaftsordnung (Mensch als Krönung der Schöpfung) deutlich. Auch die Nennung von „sehr gut“ in Gen. 1, 31 kann entweder bedeuten, dass der Mensch sehr gut ist, oder dass die Schöpfung erst durch den Menschen vollkommen und ein Ganzes ist. Den Sündenfall lassen wir hierbei erst einmal außen vor.

Festgestellt wurde auch, dass Gott in Genesis zuerst eine strikte Trennung (Finsternis und Licht) vollzogen hat. Aus der Unordnung hat er Ordnung geschaffen. Indiz für die Schaffenskraft Gottes ist das Wörtchen „schuf“ in Gen. 1, 1. Es stammt von dem hebräischen Wort „bara“ und wurde damals, anders als in der deutschen Sprache, nur für die Schaffenskraft Gottes benutzt, nicht aber für den Menschen.

Ein weiterer Diskussionspunkt war, dass in Gen. 1, 30 geschrieben steht, dass Pflanzen zur Nahrung dienen. Impliziert dies etwa, dass Fleisch von vorn herein nicht zur Nahrung bestimmt war?

Zu Röm.:

Ein wichtiger Aspekt in Röm. 6, 1-11 ist der Aspekt der Neuschöpfung. Neuschöpfung durch die Taufe auf Grund es Sterbens Jesu; also Neuschöpfung durch Christus. Diese Neuschöpfung ist nach dem Text notwendig, um sich von der Sünde zu befreien, denn in der Sünde ist der Mensch tot. An dieser Stelle stellt sich zudem die Frage, ob die Taufe heilsnotwendig oder heilswirksam ist. Mit letzterem konnte sich die Mehrheit von uns eher identifizieren.

Zu Off.:

In Off. 21, 1-5 dreht sich alles um den neuen Himmel und die neue Erde. Wie man dies aufzufassen hat, so gibt es mehrere Möglichkeiten. Zwei wurden angesprochen. Betrachten wir den Sündenfall, so müssen wir entweder den psychologischen oder den topografischen Hintergrund kennen bzw. verstehen. Das heißt, es gab entweder eine zwischenmenschliche oder eine räumliche Trennung bei der Vertreibung aus dem Paradies. So kann die Neuschöpfung der Erde und des Himmels auch einen Rückschritt bedeuten, nämlich die Wiederherstellung des Urzustandes, eine Erneuerung der Beziehung zwischen Gott und den Menschen.

Frère Andreas aus Taizé erklärte einmal in einem Gespräch, dass es doch vielmehr so sei, dass durch die Auferstehung Christi eine neue Erde und ein neuer Himmel geschaffen wurden. Der Himmel brach in die Erde hinein und verband sich mit ihr. Durch die Auferstehung hat die Sünde für Christen keine Macht mehr. Auch der Tod ist zwar auf Erden noch gegenwärtig, wurde aber durch Jesus Christus überwunden. Der Tod ist nur das Eintreten in eine andere Welt, in die Herrlichkeit Gottes.

Diesen Zusatz können wir kommenden Freitag in unsere Diskussion mit einbeziehen.

Auch bisher offene Fragen sollen noch diskutiert werden. Dazu können wir Bezug zu Intelligent Design , das in den USA so auf dem Vormarsch ist, herstellen und Kolosser 1, 12-20 betrachten, wo eine Beziehung zwischen Genesis und der Offenbarung hergestellt wird. Auch die Untersuchung der Lichterscheinung des Paulus, die bei ihm zu einer Neuschöpfung führte, kann vertieft werden.

Auch Positionen von zwei holländischen Theologen wurden angerissen, aber nicht mehr diskutiert. So sagt eine Position, Schöpfung sei in der Kirche durch das Kreuz erfahrbar, durch eine Rückbesinnung auf den Tod Jesu, der uns von unseren Sünden befreit hat. Das Kreuz ist also Symbol für Neuschöpfung -> rein in die Kirche

Eine weitgehend konträre Position sagt -> raus aus der Kirche. Schöpfung ist nicht in der Kirche, sondern im Alltag erfahrbar. Das, was uns an Neuem Tag für Tag beeinflusst, ist Neuschöpfung.