
Bibeleinführung: Mt 14, 22-33 Jesus und der sinkende Petrus auf dem See
Fragen zum Text:
1. Wieso kann Petrus über das Wasser gehen? ( äußerer und innerer Grund )
2. Wieso versinkt Petrus dann?
3. Was ist für uns heute beispielhaft an dem Bericht?
4. Welche Rolle spielen die "Rest- Jünger" während Petrus auf dem See wandelt?
5. Welches ist der theologische Topos des Berichtes?
Gedanken, Ergebnisse eines Teilnehmers :
Schon gleich nach der Lektüre von Mt. 14, 22 – 33 wurde das Augenmerk auf Jesus gelenkt, der die Naturgesetze außer Kraft setzt. Diese Tatsache schien für manche sehr wichtig zu sein, zumal dieses Problem mit einem Witz eingeleitet wurde: Jesus war tatsächlich über Steine im Wasser gelaufen!
Soweit der Witz. Aber es ist nötig sich die Geschichte noch mal genau anzuschauen. Die Perikope beginnt, dass Jesus nach dem Wunder der Brotvermehrung die Jünger wegschickt über den See Genezareth zu fahren , und er selbst zieht sich an einen einsamen Ort zurück um zu beten.
Wie lange die Jünger auf dem See sind, wird durch die Angabe 4. Nachtwache deutlich. Was mögen sie gedacht haben? Sicher, wo ist denn Jesus? Welche Angst mögen sie ausgestanden haben beim aufkommenden Sturm? Wer mag da an den abwesenden Jesus gedacht haben? Und sie werden in ihrer Not gebetet haben. Vielleicht Ps. 130, Aus der Tiefe rufe ich Herr zu dir... In dieser Szenerie gewahren sie eine Gestalt über der tosenden Wogen und glauben gleich an eine gespensterhafte Erscheinung, bis sie hören: Fürchtet euch nicht. Gleich ist es Petrus, der die Initiative ergreift, wie wir das bei Petrus ja kennen. (Jesus weist ihn dann auch schon mal zurecht). Wir bewundern den Mut von Petrus. Und sein Vertrauen? Das dann aber im entscheidenden Moment versagt: Herr, hilf mir.
Woran genau zweifelte Petrus? Ist sein Temperament mit ihm durchgegangen? Hat er sich zuviel zugemutet? Auf jeden Fall hat er nicht an die Naturgesetze gedacht, (Und auch nicht daran, dass auch diese aus Gottes Schöpfung stammen).
Für die Jünger steht am Ende dieser Episode die Erkenntnis: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn.
Diese Erkenntnis kommt doch aus der Erfahrung der Errettung aus großer Not!
Denken wir noch mal an den Anfang der Geschichte. Jesus betet. Wir wissen, dass er sich oft zu beten zurückzieht. Er wird Gott gedankt haben für die reiche Brotgabe für das hungrige Volk. Und er wird seine Jünger Gott, seinem Vater, empfohlen haben. Wird Gott um seine Hilfe in Seenot gebeten haben. Schließlich wusste er als Sohn Gottes von der Angst seiner Jünger. Und seine Jünger haben gebetet. Jesus hatte sie beten gelehrt, Mt. 6, 9-13.!
Wer nun an Jesu Wunder mit dem Wandeln auf dem Wasser festhalten will, mag das für sich tun. Muss sich aber darauf vorbereiten, dass jemand nach den Naturgesetzen fragt. Und dann wird die Antwort, Jesus könne alles, doch etwas fad ausfallen.
Und ist denn angesichts dieser Linie vom Gebet Jesu über die Errettung der Jünger (im Gebet!?) bis hin zur Erkenntnis: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn! der die Naturgesetze außer Kraft setzende Jesus (nicht der „versinkende“ Petrus!) noch von so zentraler Bedeutung? Die Jünger erlangen die Erkenntnis von Jesu Gottessohnschaft durch ihre Errettung! im Glauben an Jesu Hilfe, Beistand, Trost, Mitgefühl usw.
Und das ist auch für uns heute relevant.